Therapie der HIV-Infektion

Bis heute hat sich an der Tatsache, dass eine HIV-Erkrankung nicht heilbar ist, nichts geändert. Allerdings kann heute auf Therapien zurückgegriffen werden, die das Leben von HIV-infizierten Menschen deutlich verlängert. Die Medikamente müssen allerdings lebenslang eingenommen werden, um den Ausbruch lebensbedrohender Erkrankungen zu verhindern.

Eine Kombination verhindert Resistenzen

Im Jahr 1996 wurde die Hochaktive antiretrovirale Therapie, kurz HAART, eingeführt. Es handelt sich dabei um eine Kombinationstherapie aus mindestens drei verschiedenen Medikamenten, die zur Behandlung der HIV-Infektion zur Verfügung stehen. Nach Beginn der neuen Therapie mussten Patienten gravierende Nebenwirkungen und die Einnahme einer hohen Anzahl von Tabletten in Kauf nehmen. Heute kann der Arzt aus fünf verschiedenen Substanzgruppen, die auf unterschiedliche Weise eine Vermehrung der Viren verhindern, auswählen. Eine moderne Therapie besteht aus maximal fünf Tabletten täglich. Dabei kommt in erster Linie eine Kombination zweier nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitoren mit einem nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer oder einem Proteasehemmer zur Anwendung. Der Zweck einer solchen Kombination ist es, die Viruslast herabzusetzen. Im Idealfall kann HIV mit üblichen diagnostischen Methoden nicht mehr nachgewiesen werden. Eine Medikamentenkombination ist wichtig, damit es zu keiner Resistenz kommt.

Die Nebenwirkungen sind nicht mehr so drastisch wie früher

Auch die Nebenwirkungen der heute angewendeten Therapien beschränken sich auf ein Mindestmaß. Kurzzeitig kann es zu Verdauungsbeschwerden und Kopfschmerzen kommen, die aber nach einiger Zeit wieder verschwinden und gut zu behandeln sind. Langfristig kann es zu schmerzhaften Entzündungen der Nerven in den Beinen kommen, Neuropathien genannt. Auch Allergien und erhöhte Leberwerte können unter einer Kombinationstherapie beobachtet werden. Bei Medikamentenkombinationen tritt gelegentlich auch das Lipodystrophie-Syndrom auf. Dabei handelt es sich um eine Veränderung des Unterhautfettgewebes. Die typischen Fettauszehrungen im Gesichtsbereich und an den Extremitäten ebenso wie die häufig entstehenden Fettpolster im Nacken und im Bauchbereich beeinträchtigen die Patienten kosmetisch stark, lassen sich aber häufig durch einen Wechsel der Kombination in den Griff bekommen.

Verbesserte Lebensqualität und verringertes Ansteckungsrisiko

Trotz der manchmal unangenehmen Nebenwirkungen senkt eine Kombinationstherapie die Viruslast und damit auch das Ansteckungsrisiko für andere. Dies ist etwa bei einer Schwangerschaft besonders wichtig und von großem Nutzen. Hier kann eine Übertragung von der Mutter auf das Kind häufig vermieden werden. Es ist allerdings darauf zu achten, dass eine Heilung nicht möglich ist und ein Ansteckungsrisiko trotzdem erhalten bleibt. Dennoch sollte betont werden, dass eine derartige Therapie die Lebensqualität infizierter Menschen deutlich verbessert.